Sodala, einen Tag und zwei Irish Coffee später sind die Ereignisse von Sonntag gesackt und die Gedanken sortiert.
Für wen das Lesen zu lange dauert, ist hier die Kurzfassung:
Ich habe meinen ersten Ironman gefinished. Das sind in Zahlen:
3,8km swim;
180km bike;
42km run.
Oder anders ausgedrückt ein verdammt langer Tag, verbunden mit jedermenge Spaß.
Und nun zum ausführlichen Teil.
Maastricht sollte es werden. Die Entscheidung fiel Weihnachten. Wieso Maastricht? Er ist etwas später im Jahr und mir gefällt die Stadt sehr gut. Weshalb also nicht den Hauptwettkampf mit ein paar Tagen Urlaub verbinden. Generell muss ich sagen, bin ich noch nie so entspannt in einen Wettkampf gegangen. Ruhig, gelassen, ja fast emotionslos. Auch die zerrissene Badekappe konnte mich 3 min vor dem Start kein bisschen aus der Bahn werfen. Wieso? Weil ich gut vorbereitet war und wusste das ich das Ding durchziehen werde. Ganz getreu dem Motto: Aufgeben kannste bei der Post!!!
Der rollende Start verlief perfekt und das Schwimmen durch die Maas war ein echter Hochgenuss. Die Rangeleien blieben weitestgehend aus, ich hatte meinen Rhythmus und war einfach nur im Flow. Was mir einige Tage vorher Peter Beck angekündigt hatte, bewahrheitete sich knallhart.
Der Bike Course war die Hölle. Geschätzt 30% Waschbetonplatten und Kopfsteinpflaster. Der Rest verwinkelt, eng, gefährlich und gespickt mit Schlaglöchern und Bodenwellen. Einsetzender Regen machte die Sache nicht besser, dafür die Feldwege zunehmend verschmutzter. In einer Abfahrt war es dann soweit - plötzlich eine Kurve aus dem Nichts, der Reifen blockierte, das Adrenalin schoss durch den Körper. Wenn es jetzt gerade aus geht ist nicht nur das Bike kaputt, sondern auch der Baum auf den ich zusteuerte - so mein Gedanke. Gerade nochmal gut gegangen. Der Schock saß, kurz sammeln, abhacken und weiter machen. Anderen erging es nicht so gut. Platte Reifen, abgebrochene Flaschenhalter und Stürze waren an der Tagesordnung und prägten das Bild der gesamten Radstrecke. Es sollte also noch lang werden...zu lang, mit aller Zeit zum Nachdenken und immer wieder den Blick auf die Uhr gerichtet. Die Zeit wurde mit Absicht ausgeblendet und nur Watt und Herzfrequenz als Anhaltspunkte aktiviert. Nicht überzocken war das Ziel, was auch hervorragend funktionierte. Km- für km-Markierung zog an mir vorbei und es ging in die zweite Runde. Die Motivation sank bei dem Gedanken an die nächsten 90 ungemütlichen Radkilometer. Die Anderen müssen auch durch, redete ich mir stupide ein. Mit einem Flaschenhalter weniger erreichte ich die Wechselzone. Die Zeit? ...egal, Hauptsache gesund geblieben.
Das Wetter riss auf. Raus aus dem Zelt und vorsichtig angelaufen. Die Beine waren frisch und ich fühlte mich putzmunter, bis km 13. Der Stimmung drehte, Seitenstechen und Magenkrämpfe setzten ein und waren für die folgenden 20 Kilometer meine treuen Begleiter. Ich konnte sie irgendwie abschütteln, ja sogar abhängen und hatte den restlichen Marathon meine Vorfreude auf das Ziel, auf das ich seit Weihnachten hinarbeitete. Dort empfingen mich tobender Applaus und Anne Kirsten, die mir die letzten Monate und vorallem das ganze Wochenende zur Seite stand, mich liebevoll anschrie, mir zwischendurch Verpflegung zukommen ließ, mich immer aufs Neue motivierte und einfach nur für mich da war. Danke auch an Tobias Heinze für die gemeinsamen Trainingskilometer, die geile Zeit auf Lanza und dem offenen Ohr für doofe Fragen. Bei Gelegenheit bring ich dir das Radeln bei. Für alle Trainigspartner ein fettes Dankeschön!
Kilian
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