24. Jungfraumarathon oder wie ich zur Bergziege mutierte
Das erste Mal lief mir der Jungraumarathon auf der
Marathonmesse in Frankfurt 2011 über den Weg. Damals konnte ich es mir
überhaupt nicht vorstellen die Marathondistanz und gleichzeitig über 1800
Höhenmeter zu bewältigen. Wobei die Bilder die damals gezeigt wurden gigantisch
waren. 2013 wagte ich mich dann zum ersten Mal an einen etwas bergigen Marathon
den Obermainmarathon mit etwa 700 Höhenmetern. Das war damals schon heftig
und weniger als die Hälfte an Steigung wie bei der Jungfrau aber Michel mit
seinen Erzählungen von den zahlreichen Bergmarathons sähte die Saat. Ende
2015 war ich vom Kopf her bereit für die Jungfrau. Dazu kam mein 50er
Geburtstag und alle legten zusammen um mir den Jungfraumarathon incl. einer 6
monatigen Vorbereitung in Form von wöchentlichen Trainingsplänen zu
ermöglichen.
Am 10. September war es dann soweit. Mein Mann und ich
reisten bereits 2 Tage vorher an. Die Besichtigung von Teilbereichen der
Strecke trug nicht gerade dazu bei, dass ich mich gut gerüstet fühlte.
Race Day:
Start sollte um 9 Uhr sein, bereits um 7:30 Uhr waren wir am
Startbereich und beobachteten das geschäftige Treiben. Ich gab noch schnell
meinen After race Rucksack ab, der vom Start zum Ziel auf die kleine Scheidegg
auf 2100 Meter Höhe transportiert wurde. Meine Aufregung wurde immer größer.
Auf was hatte ich mich da wieder eingelassen!
Judith, Frank und ich
Ich reihte mich sehr weit hinten in das Starterfeld ein,
wollte ich doch nur ankommen, was angesichts der 2 cuttoff Zeiten auf der
Strecke für mich gar nicht so einfach sein sollte. Beim Jungfraumarathon gibt
es 2 neuralgische Stellen auf der Strecke die zu einer bestimmten Zeit
durchquert sein müssen, sonst wird man aus dem Rennen genommen. Aber dazu
später mehr
Pünktlich um 9 Uhr der Start. Ich hatte mir am Vortag ein
Armband erstellen lassen auf dem die Zwischenzeiten in 5 km Abschnitten
angegeben waren für die Zielzeit von 6:29 als Orientierung für mein Lauftempo.
Über 4000 Läuferinnen und Läufer rannten wie die Verrückten los und ich
mittendrin. Ich hatte das Gefühl allen ist nicht klar was da heute noch auf
alle zukommt. Aber ich war nicht viel besser und lief viel zu schnell an. 2
Runden durch die Innenstadt von Interlaken dann nach Böningen, ein kurzer Abstecher
an den Brienzer See und dann raus aus bewohntem Gebiet Richtung Wilderswil zur
10 km Marke. Ein Blick auf meine Uhr, ich war viel zu schnell
. Aber noch
fühlte ich mich gut. Nachdem wir Wilderswil verlassen hatten ging es auf
Wanderwegen links Wald und Berg, rechts die Lütschine, ein Bergbach der sich
bis Lauterbrunnen durchs Tal schlängelt.
kreuzten wir den Bach und die Jungfraubahn die die Zuschauer und Begleiter zum
Ziel auf die kleine Scheidegg brachte. In Lauterbrunnen die Halbmarathonmarke.
Jetzt hatte ich mein Tempo gefunden. Nach einer kurzen Runde um Lauterbrunnen
herum. Bis km 25 waren bisher etwa 300 Höhenmeter zu bewältigen gewesen. An der
Verpflegungsstation vor dem ersten großen Anstieg wartete Harald mein Mann mit
meinen Trailschuhen. Ich hatte mir überlegt den ersten flachen Teil mit meinen normalen
Laufschuhen zu laufen und dann auf die Trailschuhe zu wechseln. Aber ich
entschied mich dagegen, ich wäre in die Trailschuhe gar nicht mehr
reingekommen. Jetzt ging´s ans Eingemachte.
Auf etwa 2 km mussten wir jetzt den Berg hoch in Serpentinen (26 Stück) mit
einer Steigung von bis zu 20%. Hier erlebte ich viele Läufer die am Wegrand
saßen oder sich die Waden massierten wegen der Krämpfe. Dank Michels
ausgefeilter Berggehtechnik konnte ich diesen Abschnitt aber ganz gut
bewältigen. Die nächsten 500 Höhenmeter waren geschafft.
alle 250 Meter eine Markierung angebracht. Nach dieser Wand, wie dieser
Abschnitt auch genannt wird, war mir auch klar warum. 250 Meter können einem
sehr lang vorkommen. Ab jetzt gab es auch alle ca 2 km Massagestationen für die
Teilnehmer (ich habe sie Gott sei Dank nicht gebraucht). In Wengen der
nächste Ort den wir passierten war auch der erste Cut off Punkt. Wer nach 4h 10
min da durch lief wurde aus dem Rennen genommen. Ich passierte die
Zeitmessmatte rechtzeitig so dass ich weiter durfte. Es ging nur noch bergauf,
kurze Abschnitte wo man laufen konnte, vielleicht 200 bis 500 Meter, ansonsten
Speedwandern. Es ging durch kleine Wälder über Wiesen, kleine Gehöfte und immer
wieder Wanderer die uns anfeuerten. Auch die Verpflegungsposten alle 2 km, was
angesichts der Hitze äußerst wichtig war. Eindrucksvoll bei km 35 kommt man aus
einem Waldstück und sieht das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau in voller
Pracht vor sich, zum greifen nahe. Da musste ich doch gleich wieder Bilder
machen, wie überall auf der Strecke.
So langsam wurde ich mürbe, mir taten die Füße weh aber es
gab kein Zurück mehr. Bei km 37,9 in Wixi der 2te Cut off Punkt. Puh, gerade
noch geschafft. Ich durfte weiter. Jetzt waren es nur noch gut 4 km und ich
dachte mir, naja das ist jetzt gut machbar. Denkste, jetzt kam der Oberhammer.
Über Geröll und Singletrails gings jetzt steil bergauf Richtung Moräne des
Eigergletschers.
genau richtig gewesen. Ich war fix und alle. So hatte ich es mir am Schluss
nicht vorgestellt. Jetzt kam der Kopf zum Einsatz und der wollte nur noch da
rauf. Extrem langsam kletterte ich auf die Moräne wo mich der berühmte
Dudelsackspieler empfang.
ist erreicht und ab da geht es nur noch abwärts dem Ziel entgegen. Und siehe da
ich konnte wieder laufen. Ich mobilisierte alle meine Kräfte und flog dem Ziel
entgegen wo Harald auf mich wartete. Geschafft!!!
Der Jungfraumarathon wird oft als der schönste Marathon der
Welt bezeichnet, jetzt kann ich auch verstehen warum!
Auch die Organisation vor, während und nach dem Lauf
perfekt. Wo gibt es, z.B. auch wenn man gegen Ende des Marathons ankommt noch
warme Duschen, wo hat man während des Wettkampfes die Möglichkeit sich
massieren zu lassen und, und, und
..
Fazit: Der Jungfraumarathon ist eine Herausforderung für
Körper und Geist aber der Zieleinlauf und die grandiose Natur entschädigen für
alles.
Zu guter Letzt möchte ich meinem Mann für seine Geduld
danken, hat er mich in den letzten Wochen vor dem Lauf nur noch selten zu
Gesicht bekommen da ich laufend unterwegs war, meinen Freunden die mir das
ermöglicht haben und Judith Heinze deren wöchentliche Trainingspläne mich oft
zum fluchen , aber letztendlich ins Ziel gebracht haben.
Micha