Heute geht es also los mit der
ersten Etappe auf Norderney, die mit 13,6 Kilometern auch die längste der Tour
sein sollte. Die eigens gecharterte Sonderfähre überflutete die kleine Insel
mit exakt 567Läufern, die alle gegen 10:00 Uhr
anlandeten. Der Start erfolgte um 13:00 Uhr im Hafenbereich, so dass wir die
Zeit genutzt haben, den Ort zu erkunden bzw. am Strand zu relaxen. Kurz vor
13:00 Uhr standen alle Teilnehmer in der Startaufstellung und es erfolgte die
für alle Etappen charakteristische Nordseelauf-Hymne
normal>An der Nordseeküste
normal>von
normal> Klaus und Klaus. Dann der Startschuss. Die Strecke
führte uns zunächst durch den Hafen entlang der Segler- und Surferbucht im
Süden der Insel mit herrlichem Blick auf das Wattenmeer in Richtung Weiße
Düne.Der Weg war zwar hier befestigt,
aber als Küstenschütz dienend verlief er (in Laufrichtung nach rechts) leicht abfallend, läuferisch recht anspruchsvoll. Die Weiße Düne nach etwa 5
Kilometern stellte sich nicht, wie ich vermutet hatte, als vereinzelte Düne
dar, sondern als Dünenlandschaft, die es absolut in sich hatte. Es ging auf
gepflasterten Wegen rauf und runter. Nach etwa 8 Kilometern hatten wir die
Stadt im Norden der Insel wieder erreicht und liefen weiter auf der
Strandpromenade in Richtung Weststrand. Von hier waren es dann nur noch wenige
Meter zum Ziel direkt auf dem Kurplatz, wo die Teilnehmer von den vielen
Schaulustigen und Touristen begeistert empfangen wurden. Im Ziel hieß es dann,
die leeren Speicher mit Obst und Iso-Drinks wieder aufzufüllen und sich im
Kampf um einen Duschplatz nicht unter kriegen zu lassen. Dazu in der Zusammenfassungspäter mehr. Zur Stärkung gab es, wie sollte es an
der Nordsee anders sein, standesgemäß ein Fischbrötchen. Den Rest des Tages
genossen wir am Sandstrand von Norderney, bevor wir mit der Fähre wieder um
18:00 Uhr die Insel verlassen mussten.
Fazit der Etappe: Gelungener
Tour-Start auf einer sehr anspruchsvollen Strecke, der Hunger auf mehr macht. Mit
einer Zeit von 54:12 reichte es in der AK M30 für mich nur für den vierten
Platz, im Gesamtklassement lief ich als 17. ein. Sandra beendete ihre erste Etappe nach 1:13:58
als 68. in der Gesamtwertung und Platz 10 in der AK W40. Am Ende eines jeden Tages wird
sich immer wieder die Frage stellen, wie die Anstrengungen wohl verkraftet
werden? Reichen die Kräfte auch für die morgige Etappe?
Zweiter Tag
der Tour, heute geht es nach Baltrum. Die kleinste der ostfriesischen Inseln
erwartete die Teilnehmer ebenfalls mit einer anspruchsvollen Strecke, die der
ersten in nichts nachstand. Bereits um 07:15 Uhr setzten wir mit der Fähre
über. Leider spielte heute das Wetter nicht mit, sodass wir die Zeit auf
Baltrum nicht so genießen konnten, wie wir es uns gewünscht hatten: Schön
entspannt im Sand liegen und ausspannen. Stattdessen überfluteten die
Nordseeläufer regelrecht die ortsansässigen Cafés und Bistros und verließen
diese erst knapp eine Stunde vor dem Start auf dem Dorfplatz. Der
Dornröschen-Laufstartete pünktlich um
12:00 Uhr bei richtigem Schietwetter und führte uns auf zwei Runden entlang
aller Sehenswürdigkeiten der Insel. Wir verließen das Inseldorf im Süden und
liefen im Süden am Wattenmeer entlang in Richtung Osten. Ein kräftiger Wind
wehte uns entgegen und machte alle vorherigen Pläne zu Nichte. Aber nicht nur
das. Der Untergrund wechselte plötzlich von befestigtem Weg zu Sand mit Heu
drüber! Was für eine Herausforderung für die Füße. Zusätzlich mussten wir
größeren Wildkaninchen-Löchern ausweichen, die gefühlt komplett Baltrum
untertunnelt haben müssen, so zahlreiche waren diese gesäht. Gegen Ende der 5,3
Kilometern langen Runde erreichten wir im Norden wieder den Dorfplatz und
wurden von den jubelnden Zuschauern auf die zweite Runde geschickt. Mit den
Erfahrungen von der ersten Etappe (wenig Duschen, viele Dusch-Willige) führte der Weg nach dem Zieleinlauf direkt
zur Dusche. Die Fähre entführte uns wieder um 18:45 Uhr aufs Festland. Bis
dahin ließen wir uns den Wind um die Ohren wehen beim Spaziergang am Strand und
Entspannen im Strandkorb. Selbstverständlich durfte das Fischbrötchen nicht
fehlen! Glücklicherweise klarte das Wetter aber auf und die Nordsee zeigte sich
von ihrer besten Seite.
Fazit:
Wahrscheinlich die schönste der sieben Inseln und die Belastungserscheinungen
sind erstaunlicherweise weniger stark, als gestern nach der ersten Etappe. Nach
45:07 sprang Platz 3 in der AK für mich heraus und der 12. Platz in der Gesamtwertung.
Sandra verbesserte sich auf den 9. Platz AK W40. Ich bin gespannt, ob es morgen
auch noch so ist und wir die dritte und letzte Etappe vor dem Pausentag
ordentlich hinter uns bringen könne.
Die Dritte Etappe führte uns
heute auf Langeoog zum 10,5 km langen Slooploop. Heute konnten wir
einigermaßen ausschlafen, da die Fähre in unserem Ort ablegte und das auch erst
um 09:30 Uhr. Der Blick aus dem Fenster zeigte jedoch wieder das Schietwetter
von gestern. Auf Langeoog angekommen, fuhren wir mit der Inselbahn in das
Ortszentrum. Viel Zeit blieb nicht, da bereits um 12:00 Uhr der Startschuss
fallen sollte. Nach einem kurzen Blick an den endlos langen Sandstrand von Langeoog
zogen wir uns dann auch schon direkt um und gaben unsere Taschen ab. Kurz vor
dem Start, wie üblich, einmal die Nordsee-Hymne und dann wurde das Rennen vom
Bürgermeister frei gegeben. Zunächst verlief die Strecke durch den Ort auf
norddeutschem Pflasterweg (Backsteine hochkant). Nach knapp 1,5 Kilometer erfolgte dann das erste
richtige Highlight des Nordseelaufs. Im Norden der Insel bogen wir auf den
Sandstrand ab und liefen rund zwei Kilometer direkt an der Brandung entlang. Eine
nicht zu unterschätzende Herausforderung für die Füße! Direkt am Meer war der
Sand relativ fest, aber der Weg zum und vom Strand weg war unheimlich
anstrengend. Wie an einer Perlenkette aufgefädelt liefen 468 Läufer
hintereinander her, kaum einer traute sich, ein vermeintlich besseres Stück
Laufuntergrund links oder rechts zu suchen. Nach Verlassen des Strands ging es
weiter entlang der Dünen in Richtung Osten um einen großen Teich in Mitten der
Insel herum. Nach etwa der Hälfte ging es dann im Landesinneren zurück nach
Westen in den Ort. Entlang der Straßen wurden die Läufer immer wieder von
Einheimischen und Touristen angefeuert. Im Ziel angekommen ging es dann wieder
direkt zur Dusche.
Fazit: Letzte Etappe vor dem
Pausentag, den sich die meisten Teilnehmer sehr herbei sehnen. Mittlerweile
stecken uns 34,7 Km in den Knochen und bei einigen waren auch schon Ausfallerscheinungen
wie Humpeln sichtbar. Sehr schöne Etappe, die nochmals deutlich gemacht hat,
dass der Nordseelauf mit nichts zu vergleichen ist und die gesamte Bandbreite
der Schönheit der Nordseeküste widerspiegelt. Besonders toll war es, das sich
pünktlich zum Start das Wetter wieder von seiner besten Seite gezeigt hat. Ergebnisse:
43:29, Platz 3 AK M30, Platz 16 gesamt und 59:49, Platz 9 AK W40, Platz 67
gesamt. Weiter geht es dann übermorgen mit der vierten Etappe auf Juist, die
ganz anders werden würde, wie die restlichen Etappen.
Das Wetter verspricht heute ausnahmsweise einmal durchgängig gut zu
werden. Hoffentlich haben wir den Pausentag gut genutzt, um zu regenerieren
(sofern das überhaupt irgendwie möglich ist). Aber schon beim Warmlaufen
spürten Sandra und ich eine leichte Unlust, die sich aber direkt nach dem Start
sofort verzog, schließlich erwartete uns ja auch das Strecken-Highlight der
gesamten Tour. Gestartet wurde mitten im Ort und es ging direkt in Richtung
Strand die Düne hoch. Auf der Kuppe angekommen eröffnete sich die unendliche
Weite der See und ein wunderschöner Strand, den es jetzt auf knapp 8
Kilometer zu erlaufen galt. Ca. 400 Meter waren es bis zur Wasserkante und hier
hatte der lose Sand es in sich, wie schon auf der vorherigen Etappe. Wir liefen
direkt auf die Brandung zu und bogen dann nach rechts ab und liefen ca. 2 Kilometer Richtung Osten. Der Untergrund war hier relativ fest. Am Wendepunkt
hieß es 180 Grad kehrt, um noch einmal 4 Kilometer Richtung Westen bis zum
nächsten Wendepunkt zu laufen. Dadurch bot sich die Möglichkeit, das komplette
Teilnehmerfeld einmal zu sehen und erst hier wurde einem klar, wie viele Läufer
eigentlich auf jeder Etappe unterwegs sind, wenn man die nicht enden wollende
Schlange an Läufern links von sich sah. Nach 9 Kilometern ging es dann wieder
nach rechts den Sandstrand hoch in Richtung Start/Ziel im Ortskern. Direkt vor
mir waren zwei weitere Läufer, die in der Tour-Wertung in Schlagdistanz waren
und ich wollte noch einmal die Düne runter richtig aufdrehen. Leider dachten
sich die beiden das gleiche, so dass sich der Abstand nicht mehr veränderte bis
ins Ziel. Dort angekommen musste ich meinen Kopf erst einmal in einen kleinen
Brunnen auf dem Dorfplatz stecken, so warm war es an dem Tag. Die anschließende
Siegerehrung fiel dann allerdings ins Wasser, da kurz vorher ein ordentlicher
Wolkenbruch startete, der aber glücklicherweise nicht lange anhielt.
Fazit: Tolle Etappe mit einer
einmaligen Strecke. Dass ich trotz der Streckenverhältnisse und der vorherigen
Belastung mit meiner Zeit eigentlich ganz zufrieden war, hat mich überrascht. In
41:35 finishte sich als dritter der AK M30 und 12. im Gesamteinlauf. Sandra
bewältigte die Etappe in 56:35 als 7. der AK W40 und 56. im Gesamteinlauf. Mit
der vierten Etappe haben wir nun mehr als die Hälfte geschafft. Weiter geht es dann
morgen mit der kürzesten Etappe auf Wangerooge.
Schon im Bus merkte man die
aufkommende Erschöpfung aller Teilnehmer, der Geräuschpegel der Gespräche war
gedämpfter als die Tage vorher. Wie eigentlich schon vor jeder Etappe stellt
man sich insgeheim die Frage, wer hat jetzt noch Körner übrig? Wer bricht ein
oder muss gar eine Etappe aussetzen? Uns erwartete heute also Wangerooge,
eigentlich ein gefühltes Heimspiel, schließlich waren Sandra und ich hier
bereits vor zwei Jahren im Urlaub und kennen daher die Insel recht gut und wussten,
was uns erwartet. Da das Wetter zunächst recht schön war, gingen wir direkt an
den Strand, sahen jedoch von Osten her leider eine Regenfront aufziehen, die sich dann
auch eineinhalb Stunden vor dem Start zu entladen begann. Also rein in irgendein Café, einen
ordentlichen Ostfriesentee trinken und hoffen, dass es rechtzeitig trocken
wird. Und wie immer, zum Start hatten sich die Wolken verzogen und die Sonne
begleitete uns auf der gesamten Strecke. 12:50, Startaufstellung auf der
Strandpromenade, die erste Strophe von Klaus und Klaus An der Nordseeküste
mitsingen (mittlerweile hatte mich dieses Happening auch erfasst und ich grölte
ordentlich mit) und los ging es auf die komplett befestigte Strecke. Zunächst
auf der Strandpromenade in Richtung Osten, rechts um den Ort herum und dann im
Süden der Insel auf dem Deich in Richtung Westturm. Ein fantastischer Blick auf
das Vogelschutzgebiet links und den neuen Westturm. Hier angekommen ging es weiter
Richtung Norden auf den neuen Leuchtturm zu. Auf der
normal>Straße zum Westen ging es dann wieder Richtung Inseldorf. Nun noch
einmal nach links, vorbei an der ehemaligen Marine Signalstelle direkt ins Ziel
auf der Strandpromenade. Sandra wollte das schöne Wetter nach dem Duschen
nutzen, um einem Strandspaziergang zu machen, aber ich war mittlerweile so
müde, dass ich mich einfach nur hinlegen wollte und auch tatsächlich am Strand
eingeschlafen bin.
Fazit: Auch wieder eine
wundervolle Etappe, die eigentlich nicht mit den anderen Etappen vergleichbar
ist. Mit einer Zeit von 38:26 kam ich erneut als dritter der AK M30 ins Ziel
und wurde 14. in der Gesamtwertung. Der AK-Platz scheint eigentlich soweit
gefestigt zu sein, da ich auf Platz zwei mittlerweile knapp 15 Minuten
Rückstand habe, aber auch der Vorsprung auf Platz 4 beträgt ebenfalls etwas
mehr als 15 Minuten. Interessanter ist damit die Platzierung in der
Tour-Wertung, in der ich heute von Platz 14 auf Platz 12 aufschließen konnte.
Sandra kam nach 51:57 als 8. der AK W 40 und gesamt 57. ins Ziel. So langsam
werden aber die Beine bei uns beiden zunehmend schwerer, zum Glück sind es nur
noch zwei Etappen, aber beiden mit jeweils 12 Kilometern.
Die Motivation hat heute seit dem
Aufstehen einen Tiefpunkt erreicht. Alleine die Vorstellung, 12 Kilometer auf
zwei Runden laufen zu müssen, löste nicht gerade Jubelschreie bei uns beiden
aus. Das Schlafdefizit wurde immer ersichtlicher und auch die Überfahrt
gestaltete sich recht ungemütlich. Es war mal wieder kalt und regnerisch. Aber
wie schon gestern klarte das Wetter dann rechtzeitig vor dem Start auf. Beim
Warmlaufen machte sich nun auch neben der psychischen Belastung in Form akuter
Unlust auch die physische Belastung bemerkbar. Mein linker Fußballen schmerzte
und der rechte Knöchel, der sich schon die ganze Tour über latent bemerkbar
gemacht hatte, hatte irgendwie auch was gegen die Idee, jetzt zu laufen. Aber
es sind ja nur noch zwei Etappen. Am Start erfolgte dann das alte Ritual mit
Klaus und Klaus und dann ging es auch schon (mal wieder) los. Wir verließen das
kleine grüne und verträumte Inseldorf Richtung Norden in die Dünenlandschaft
und blieben dabei auf befestigten Wegen. Hier ging es immer mal wieder auf und
ab, wie schon auf Norderney. Da sich in der AK M30 unter normalen Bedingungen
nichts mehr großartig ändern sollte, nahm ich die Verfolgung der vor mir liegenden
in der Tour-Wertung auf. Nach fünf Etappen kennt man die direkten Konkurrenten
um die Plätze ganz gut. Auf Runde eins gelang es mir auch, an einer kleinen Steigung
eine vierer-Gruppe abzuhängen. Wieder im Ort angekommen, wurden wir hier
kräftig von Insulanern und Touristen angefeuert und nach 6 km ging es auf die
zweite Runde. Aber weder nach vorne noch nach hinten tat sich dann irgendetwas
in Bezug auf Platzierung. Ein Zuschauer rief mir zu, dass ich 15. sei, ich hoffte, dass vor mir also einige Etappenläufer
waren, die keinen Einfluss auf die Tour-Wertung haben. Nach 49:49 durchlief ich
das Ziel und versuchte, ein möglichst freundliches Gesicht für das Zielfoto zu
machen. Sandra folgte mir nach 1:08:29.
Fazit: DIE schönste Insel
überhaupt, tolle Stimmung, tolle Strecke, etc. In der Tour-Wertung fiel ich leider trotzdem von
Platz 12 auf Platz 13. Auch Sandra war diesmal nicht zufrieden, da die
Belastung immer spürbarer wird. Die Beine sind schwer und der Unmut vor dem
Lauf wird immer größer, aber noch läuft es ganz gut, nur noch eine
Etappe. Noch einmal alles geben und hoffentlich den 13. Platz in der
Tour-Wertung nach Hause bringen.
Letzte Etappe, d.h. auch, ein
letztes Mal früh aufstehen. Diesmal ist der Bus- und der Fährtransfer besonders
lang. Mit dem Bus ging es ca. eine Stunde nach Emden und von hier aus noch
einmal zwei Stunden mit der Fähre in Richtung Borkum. Der Versuch, auf der
Fähre zu schlafen, wurde jäh unterbrochen vom Alternativen Reiseproviant des
Qualitätspastors Hartmut Schneider. Zur Erklärung: auf jeder Überfahrt gab uns
Hartmut eine kurze Ansprache zum Nachdenken über Bordlautsprecher mit auf den
Weg. Eigentlich eine schöne Idee, ist doch die Evangelische Kirche im Tourismus
Mit-Initiator des Nordseelaufs (daher das Motto Mach nicht halt Lauf gegen
Gewalt), aber an diesem Morgen war mir alles andere als nach Nachdenken, ich
wollte einfach nur schlafen. Beim Anlanden auf Borkum dann Regen und keine
Aussicht auf Besserung wie in den vergangenen Tagen. Aufgrund der langen
Anreise blieb hier auch kaum Zeit zum Erkunden der Insel, wir zogen uns direkt
um und gingen zum Start, um uns warmzulaufen. Eine so große Unlust, etwas zu
tun, habe ich selbst im Sportunterricht, wenn Barrenturnen auf dem Stundenplan
stand, nicht verspürt. Die Vorstellung, noch einmal 12 Kilometer auf Zeit zu
laufen war schon ziemlich schlimm. Auch wenn vernünftiges Warmmachen gerade
jetzt eigentlich besonders wichtig ist, es reichte nur für ein halbherziges
Aufwärmen. Die Beine und vor allem der Geist sind schwer und zu alledem setzt
leichter Regen ein. Aber dann, in der Startaufstellung die Durchsage, dass die
Strecke auf 10,9 Kilometer verkürzt wurde und alle Tour-Finisher im Ziel eine
Medaille erhalten würden. Wenn das kein Ansporn ist! Also, zum letzten Mal
Klaus und Klaus, zum letzten Mal den Countdown zählen und zum letzten Mal den
Startschuss hören. Peng! Los gehts! Die Stecke führte uns zunächst entlang der
Strandpromenade in Richtung Norden durch die Dünenlandschaft. Weiter landeinwärts
entlang des Flughafens auf eine langgezogene Straße, die scheinbar endlos ist.
Zwischendurch hat es zum Glück aufgehört zu regnen. In einem kleinen Waldstückchen
wurde ich noch einmal überholt, klemmte mich jedoch an seine Fersen. Da muss
noch was gehen, es ist die letzte Etappe, ich muss keine Kräfte mehr schonen,
also Vollgas. Es klappte einigermaßen, ich konnte das Tempo von 4 min/km nicht
ganz mithalten und musste ihn ziehen lassen. Mittlerweile angekommen an der Strandpromenade
ging es auf die letzten zwei Kilometer des Nordseelaufes. Eine steife Brise
wehte uns entgegen und plötzlich sah ich den bis dato in der Tour-Wertung um
wenige Sekunden hinter mir liegenden Läufer. Jetzt oder nie vorbeigezogen. Dieser
letzte Versuch, noch einmal alles aus sich herauszuholen wurde von den auf der Promenade
rechts stehenden Zuschauern mit Applaus und Anfeuerungsrufe unterstützt und von
den links von mir auf einer Sandbank liegenden Seehunden wahrscheinlich nicht
im geringsten beachtet. Im Ziel mit der Medaille um den Hals wurden noch einmal
alle Läufer-Kollegen, mit denen man sich jetzt die letzten sechs anderen Etappen
im Ziel immer wieder abgeklatscht hatte, zu ihrem Erfolg beglückwünscht. Eine
tolle Atmosphäre, man merkte schon, dass bei vielen die Anspannung abfiel. Nach
44:44 beendete ich die Etappe als 15. in der Gesamtwertung und mit 5:17:20 und
76,5 Kilometer unter den Sohlen behauptete ich den 13. Platz in der
Tour-Wertung. Sandra, die die letzte Etappe entspannt gelaufen ist, kam nach 1:04:36 ins Ziel. In der Tour-Wertung schloss sie ihre AK nach insgesamt 7:16:44 den
Nordseelauf auf Platz 8 ab und erreichte in der Gesamtwertung Platz 59.
normal>Zusammenfassung
Der EWE Nordseelauf ist ein
einzigartiges Lauferlebnis. Dieses Jahr mit der Besonderheit, alle sieben
ostfriesischen Inseln dabei zu haben. Aber genau das ist auch die
Herausforderung. Die Strecken waren bereits vorher bekannt, jeder kann ich in
gewisser Weise selbst einschätzen, wie man damit zu Recht kommt und sich darauf
vorbereitet. Was wir allerdings unterschätzt haben: der auf die Insel-Etappen
abgestimmte Tagesablauf. Ein typischer Tag sah in etwa so aus: 05:30 Aufstehen,
Frühstücken. 07:00 auf den Bus aufsitzen, 08:30 Ablegen der Fähre, 10:00
Anlanden, 12:30 Startschuss, im Anschluss: Kampf um die Duschen. Kampf deshalb, da die Duschen auf jeder Insel sehr begrenzt sind. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als würden 500 Läufer gleichzeitig im Bambados duschen wollen. Das Problem fällt hier aber wohl unter das Stichwort Höhere Gewalt, schließlich kann der Veranstalter schlecht weitere Duschen aus dem Hut hervorzaubern. 18:00 Ablegen
der Fähre/Abfahrt Inselbahn, 19:30 auf den Bus aufsitzen, 20:30 Ankunft, danach
Rucksack auspacken und für den nächsten Tag vorbereiten. Insgesamt ist der
Schlaf doch zu kurz gekommen. Auch die Idee, sich am Strand für ein oder zwei
Stunden auszuruhen, stellte sich als Trugschluss heraus. Und am schlimmsten:
der Rucksack ist irgendwie immer dabei und beinhaltet Klamotten zum Laufen, für
gutes und für schlechtes Wetter. Auf der letzten Etappe habe ich die
Gepäckaufbewahrung auf Borkum genutzt, nur um den Rucksack für 1 Stunde gegen
eine Gebühr von drei Euro loszuwerden.
Aber abgesehen von den kleinen Sorgen, die mit zunehmenden Etappen größer werden,
bleibt eins festzuhalten: einfach großartig. Die Organisation vom Team des Nordseelaufes
hat für einen reibungslosen Ablauf gesorgt, es gab keine Situation, in der
irgendetwas fehlte, an irgendetwas nicht gedacht wurde oder in der man sich
nicht wohlfühlte, riesiges Kompliment an das Team, dass immer mit Spaß und
vollem Elan bei der Sache war! Auch ein besonderer Dank an dem Moderator Dom,
der jede Etappe begleitet hat und mit seiner rheinischen Frohnatur allen
Teilnehmern ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Der EWE Nordseelauf eine
absolute Empfehlung!